“Fängige Röhren” (aus ESOX Oktober/2009)
Karlheinz Juni 7th, 2010
In der letzten Zeit sind wir ja einiges an kuriosen Köderformen aus Übersee gewohnt. Viele Angler trauen sich aber immer noch nicht an die seltsamen Dinger aus Softplastik heran. Völlig zu Unrecht, wie das Beispiel der Tuben-Köder zeigt. von Karlheinz Alschner
Tubes oder eingedeutscht Tuben sind nicht ganz neu bei uns. In den 80er Jahren hatte so mancher deutscher Angler schon einmal Kontakt mit Tubenködern. Damals wurden nämlich im Fernsehen die Flying-Lure-Kits verkauft. Flying Lures waren nichts anderes als eine Art “breit gequetschte” Tube. Allerdings wurde die Idee dahinter von unseren Anglern kaum verstanden und so verlief dieser Versuch, dem deutschen Angler US-Köder nahe zu bringen, im Sande.

Tubenköder sind völlig unterschätzt. Sie können nicht nur gejiggt oder gedropshottet, sondern auch am Texas-oder Carolina-Rig gefischt werden.
So kurz, wie das Wort “Tube” ist, so schnell sind diese Köder auch beschrieben: ein hohler Softplastikkörper endet in einem Fransenschwanz. Moderne Tubes von heute sind allerdings aus deutlich weicherem Plastik und außerdem rund statt platt. Außerdem werden sie auch anders gefischt als die “Fliegenden Köder” von vor fast 20 Jahren. Welches Beutetier die Tubes darstellen sollen, ist nicht ganz eindeutig definiert und kann auch vom Angler nicht erraten werden, wenn er die ausgefranste Röhre aus dem Päckchen nimmt. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Sobald aber die Tube im Wasser gejerkt und gejiggt wird, erkennt man an der Bewegungsweise, dass sie wohl mit Abstand die beste Krebs-Imitation ist, die man an den Haken bekommen kann.
Die Tube gleitet zunächst davon, aber zum Ende einer jeden Bewegung pulst der Fransenschwanz etwas auf, um dann mit dem nächsten Davonschießen wieder eng angelegt zu werden. Die Tube bewegt sich wie ein flüchtender Krebs. Dabei beschreibt sie nicht nur in der Vertikalen eine Art Sägezahnbewegung, sondern bricht auch im Zick-Zacklauf bei jedem Jerk seitlich aus - mal links, mal rechts. Die Sinkbewegung ist dabei auch nicht steil nach unten gerichtet wie bei herkömmlichen Jigköpfen, sondern eher als gleitender Bogen zu bezeichnen. Wie ein richtiger Krebs eben - und tödlich auf alle räuberischen Fische!

Formen und Dimensionen der Tuben können variieren, das Grundprinzip jedoch ist denkbar einfach und immer gleich: der Hohlkörper mit Fransen in diskreten Farben
[...]Nicht nur Barsche von stattlicher Größe (kleine attackieren zwar, können den dicken Brocken aber nicht ganz bis zum Haken packen), sondern vor allem auch Hechte sind offensichtlich sehr an diesen Appetithappen interessiert. Und alle Fische - egal ob Barsch oder Hecht - hatten bei meinen Testangeln die Tuben voll angesaugt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass die Fische aus Erfahrung wissen, dass es eines besonders kräftigen Soges bedarf, um die harten, störrischen Krustentiere einzufangen.

(Beschriftung im Bild) Stahlvorfach ist Pflicht, denn Hechte nehmen die Tube vehement. Dieser 50er hat sie voll inhaliert.
Es ist aus diesem Grund auch dringend zu empfehlen, ein dünnes Stahlvorfach oder zumindest Hardmono zu verwenden, wenn man in Hechtgewässern mit der Tube fischt. Bei der idealen Köderlänge von 3,5 bis 4Inches (9-11cm) kömmen Hechte fast immer mit dem Vorfach in Berührung, wenn sie die Tube attackieren.
Gefragte Köder
Tubes gibt es von sehr vielen amerikanischen Herstellern und in vielen Längen. Das breitgefächerte Angebot zeigt, was für gängige und fängige Köder sie in Übersee sind. Es gibt Micros, die nur knapp zwei Zentimeter lang sind, ebenso wie Monstertubes von 7-9Inches, was 18 bis 22cm entspricht. Der Farbenvielfalt ist, wie immer bei den wichtigsten Ami-Gummis, keine Grenze gesetzt. Trotzdem ist folgende Tatsache bemerkenswert: bei den Tubes, die größer sind als fünf Zentimeter, bekommt man auf dem US-Markt selten grelle Farben. Hier überwiegen dezent-natürliche und gedeckte bis dunkle Farbtöne. Sehr fängig sind die Pumpkin- bzw. Pumpkinseed-Farben, Watermelon und Watermelonseed, Schwarz-Blau, Scharz-Rot, Braun oder Braun-Oliv. Kleine Beimengunen von roten oder blauen Glittern sind ebenfalls sehr häufig und fangen auch bei uns hervorragend. Die Einsatzmöglichkeiten der Tubes sind fast als universell zu bezeichnen. Kleine Größen können als Dropshotköder eingesetzt werden - auch die Micros. Ein kleiner Jigkopf lässt sie zum perfekten Jigköder werden. Am Texas- oder Carolinarig mit Widegap-Offsethaken spielen sie durch ihren luftgefüllten Körpfer sehr verführerisch.
Klassisch angeködert

Hier zwei Varianten, eine Tube zu präsentieren: Texas-Rig (wahlweise mit oder ohne Perle) und beschwerter Softjerk-Haken. Zusätzliche lassen sich die Tubes auch am Dropshot-Rig fischen.
Die klassischen Anköderungsweisen sind jedoch ein von hinten in die Röhre eingeschobener, langgezogener Bleikopf, der so genannte Tube-Jighead, oder die Anköderung an einem weighted Widegap-Haken (vorgebleiter Haken mit weitem Bogen). Am weighted Widegap kann die Tube auch krautfrei angeködert werden, wobei beim Tubejighead der Haken frei sitzt. Je nach Tiefe des Gewässers und nach Tempo, mit dem man die Tube fischen möchte, wählt man das Gewicht des Hakens bzw. Jigheads. Fischt man die Röhre ganz ohne Gewicht, also nur auf einem Offsethaken, so kann sie sogar als Softjerk in Oberflächennähe eingesetzt werden. Leichte Schläge in die lockere Schnur lassen den Köder im Zickzack seitlich ausbrechen und in Einholpausen gleitet die Tube sanft nach unten. Die gleichen Bewegungen vollführt sie auch am weighted Hook, nur kann man damit schneller und tiefer fischen. Auch mit einem nicht zu schwer gewählten Tubejighead erreicht ma ndiese gleitenden Bewegungen, die den Köder so fängig machen.
Das absolut natürliche, krebsähnliche Aussehen und die während des Einholens aus dem Köder austretenden, kleinen Luftblasen machen ihn zu einem Superköder, dem man hierzulande bisher noch viel zu wenig Beachtung geschenkt hat. Selbst an der Vertikalangel werden mittlerweile Fransenköder immer beliebter und vielleicht stellen die Liebhaber dieser Angelmethode auch bald fest, dass Tubes auch auf diesem Gebiet fangen. Ich selbst habe es probiert - und es hat funktionert!
Als Gerät zum Tubenfischen können Sie alle Ruten einsetzen, die Sie bisher auch von der gewöhnlichen Gummifischangelei kennen. Ein Neukauf von irgendwelchen sogenannten Spezialruten ist nicht erforderlich. Auf die mittlere Stationärrolle würde ich eine Geflochtene mit mittlererer Tragkraft aufspulen, wie man sie auch schon beim Gummifischangeln kennt.

Klassisch wird eine Tube mit einem innen im Hohlkörper liegenden Jig-Kopf gefischt. Vorteil: Ein attackierender Fisch kommt nicht mit dem Metall in Berügrung und beißt nach einem Fehlbiss oft noch ein zweites Mal.
Brettharte Bisse
Die Tube am Jighead wird ausgeworfen,bei offenem Schnurfangbügel zum Grund absinken gelassen (Vorsicht! Oft kommt hierbei schon ein Anbiss) und dann zupfend eingeholt. Dabei ist es ratsam, öfters mal zwei, drei kurze Zupfer hintereinander zu machen und danach die Tube für zwei Sekunden ruhen zu lassen. Ganz genau wie ein fliehender Krebs sich bewegt. Die Anbisse kommen fast immer bretthart. Können die Räuber den Köder nicht gleich beim ersten Zustoßen packen, verfolgen sie ihn oft über mehrere Meter. Selbst Hechte tun dies, immer wieder attackierend, bis sie den “Krebs” haben. Und dann brummt die Rollenbremse.
Probieren sie doch mal die Tubes einmal an ihrem Heimatgewässer aus! Dann werden sie sehen: die Berührung mit neuartigen, seltsam anmutenden Ködern tut gar nicht weh! Vielleicht kann die Tube sogar die Scheu herkömmlicher Bleikopfangler vor den neuartigen amerikanischen Methoden abbauen helfen. Spätestens, wenn sie erfahren, dass ich zusammen mit dem gerade einmal zwölf Jahre alten Tobias bei einem Tube-Test in einem Vereinsgewässer in dreieinhalb Stunden fünf maßige Hechte am Haken hatte, wird es Ihnen auch in den Fingern jucken. Denn der Größte war 80cm lang.
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